Glauben heißt sehen lernen..

Im 8. Kapitel bei Markus, V. 17-18 fragt Jesus seine Jünger: ..Was macht ihr
euch darüber Gedanken, daß ihr kein Brot habt, begreift und versteht ihr immer
noch nicht? Ist denn euer Herz verstockt? Habt ihr denn keine Augen, um zu sehen
und keine Ohren. um zu hören?
V. 22 beginnt dann die Erzählung von der Heilung eines Blinden. Versuchen
wir einmal sie zu lesen unter der Rücksicht, was es heißt zum Glauben zu kommen.

Am Anfang steht eine Bitte. Man bat Jesus. er möge den Blinden berühren.
eine Hoffnung. eine Sehnsucht nach Licht geht voran. Sie ist nicht ziellos, sie
wendet sich an den, der sich das Licht der Welt nennt. Sie ist nicht erfolglos. 
Bittet, so wird euch gegeben.
Jesus geht darauf ein, er nimmt den Blinden bei der Hand und führt ihn vor das
Dorf hinaus. Was mag in dem Blinden vorgegangen sein auf diesem Weg, wie
würde es mir selbst ergehen, mich so herausführen zu lassen? Vielleicht tut es
gut, sich aus dem Alltäglichen, aus dem Gewohnten einmal zurückzuziehen.
vielleicht ist es auch das Gewohnte, was uns oft blind macht für das Außeror-
lentliche, für das Wunder des Daseins. Heißt es nicht, den Wald vor lauter Bäu-
men nicht sehen'?
Im Handkontakt zu Jesus. Wärme spüren, Nähe, Vertrauen. Vielleicht auch
das eine oder andere ermutigende Wort hören. Sich führen lassen. Zulassen, ge-
schehen lassen.
Jesus bestrich seine Augen mit Speichel, legte ihm die Hände auf und fragte ihn:
Siehst du etwas? Behutsames, liebevolles Umgehen.
Sehen lernen im Dialog. Sehe ich etwas'? was sehe ich denn? Ist das, was ich
sehe, das Ganze, könnte ich noch mehr sehen, oder bin ich wie einer, der glaubt
zu sehen und doch nicht sieht? Wie steht es mit den Augen meines Herzens, sehe
ich den liebenden Gott in meinem Leben am Werk? Es geht um die Vergewisse-
rung, um einen Überblick, um eine Rechenschaft.
Ich sehe Menschen, denn ich sehe etwas, das wie Bäume aussieht und umher-
geht." Ein noch undeutliches Sehen, aber wenigstens ein Anfang. Da legte er ihm
nochmals die Hände auf die Augen; nun sah der Mann deutlich. Er war geheilt
und konnte alles ganz genau sehen.
Könnte das nicht auch ein Wunsch von mir sein? Alles ganz genau sehen?
Malen Sie einmal ein Blatt auf Papier und schauen sich dann ein Blatt in der
Natur an, wie vieles hatten sie noch nicht gesehen, wie vieles gibt es noch zu ent-
decken. Wenn das schon bei einem Blatt so ist, wie ist es dann erst im Bereich
menschlicher Begegnung!
Jesus schickle ihn nach Hause und sagte: Geh aber nicht in das Dorf hinein! 
Jesus will nicht das große Spektakel, er wirkt lieber im Verborgenen. Auch heute.
Der Geheilte soll sich nicht in die Diskussion mit denen verwickeln, die doch
nichts verstehen, Er soll bei dem bleiben, was mit ihm geschehen ist. Noch ein-
mal das Ganze durchleben, reflektieren, die einzelnen Schritte. Die Bitte, das an
der Hand genommen werden, die schrittweise Heilung. Sehen heißt auch bei
sich bleiben können.
Wie steht es mit meinem Glauben? Gibt es noch das Wachstum, den Wunsch
danach ? So wie es bei Paulus im Epheserbrief 1,18 heißt: "Er erleuchte die Au-
gen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn beru-
fen seid, wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen erweist,
durch das Wirken seiner Kraft und Stärke." 

Gundikar Hock. Frankfurt